Versuche im und doing art&science

#7 unschärfen

AS: Ich glaub, um das ganze, das wir da vorhaben, zu untersuchen, sind die Unschärfen nämlich auch wichtig.
DI: Mhm.
AS: Vielleicht sogar wichtiger als das, was man genau beschrieben kann.

Die Bezeichnung "Unschärfe" im Falle der Quantenmechanik macht nämlich nicht genügend deutlich, dass hierbei mit Unschärfe nicht ein Mangel betont werden soll, sondern im Gegenteil dies die Folge eines viel innigeren Zusammenhangs zwischen dem räumlich Gegenwärtigen ist, bei dem in umfassenderer und intimerer Weise "alles mit allem" zusammenhängt, und dies auf einer Zusammengehörigkeit und nicht auf Wechselwirkung beruht. Die "Unschärfe" ist Ausdruck einer holistischen, einer ganzheitlichen Struktur der Wirklichkeit. Dies ist für uns unmittelbar einsichtig: Jede Beziehung führt notwendig zu einer Einbuße an Isolation, wobei Isolation wiederum erst Schärfe im Sinne des Exakten ermöglicht.
Hans Peter Dürr; Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen, Freiburg/ Basel/ Wien 2004

XT

Performance und radiophone Arbeit
Machfeld, alien productions, 2007

Der Vorgang des Übersprechens (crosstalk, abgekürzt XT) wurde zum Ausgangspunkt für eine etwa 40minütige gemeinsame Performance der beiden Künstlerkollektive alien productions (Martin Breindl, Norbert Math, Andrea Sodomka) und Machfeld (aka Sabine Maier und Michael Mastrototaro).

Übersprechen ist ein Begriff aus der Telefonie und bezeichnet ursprünglich einen Effekt, durch den man am Telefon ein anderes Gespräch leise mithören kann - daher der Name. Zugrunde liegt ein einfacher physikalischer Vorgang: ein Adernpaar stellt einen elektrischen Schwingkreis dar und kann daher sowohl als Sender als auch als Empfänger von elektrischen Feldern dienen. Wird nun ein elektrisches Signal, wie beispielsweise ein Sprachsignal, über ein Adernpaar übertragen, das gemeinsam mit mehreren anderen Adernpaaren in einem Kabel geführt ist, so wird dieses Signal auf andere Adernpaare eingekoppelt.

Die KünstlerInnen bedienen sich des in der Technik an sich unerwünschten Effekts und legen ihrer Performance ausschliesslich gesprochene Sprache zugrunde. Sie sprechen in Mikrophone und triggern damit technische Geräte, wie etwa Synthesizer, Vocoder, Granularsyntheseprogramme oder Nadeldrucker, die ihrerseits zu "übersprechen" beginnen. Für Publikum und KünstlerInnen selbst wird das Originalsignal ausgeblendet, sodass nur die in Echtzeit verarbeiteten Klangereignisse hörbar bleiben.

Die KünstlerInnen sprechen miteinander, sie sprechen übereinander und sie übersprechen einander; und am Ende werden sie den Maschinen zuhören, was diese zu sagen haben.


im Rahmen der Ausstellung
CROSSOVER III - Fotografie und Medienkunst, Fotogalerie Wien
Erstsendung: 28. 1. 2007, ORF Ö–1 Kunstradio-Radiokunst
http://alien.mur.at/sound/xt