Versuche im und doing art&science

#14 ungeordnetes/ erzählen

AS: Unsere Aufgabe ist es, das Ungeordnete in eine Erzählung zu bringen. Wir nehmen es als Skulptur, die behauen werden muss.

Die Versuchung, all das, was überrascht und irritiert, in jene Kategorien einzuordnen, mit denen Welt und Wirklichkeit in bewährter Weise verstanden und analysiert werden können, ist groß. Dennoch brauchen WissenschafterInnen Aufmerksamkeit für das eigene Nicht-Wissen und die Bereitschaft ihr Nicht-Wissen zu akzeptieren. Hans-Jörg Rheinberger, Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftsforscher, hat sich mit der wissenschaftlichen Methode des Experiments befasst (2001). Er kommt zu dem Befund, dass Irritationen, Improvisationen, kreativer Umgang mit Unerwartetem und Unbekanntem erfolgversprechender sind als Planung, Kontrolle und Methodenstrenge.
Katharina Heimerle/ Gert Dressel/ Verena Winiwarter/ Wilhelm Berger, Doing Inter- und Transdisiplinarität, in: Gert Dressel/ Wilhelm Berger/ Katharina Heimerle/ Verena Winiwarter (Hg.), Interdisziplinär und transdisiplinär Forschen. Praktiken und Methoden, Bielefeld 2014, 297-312, 297

Wir waren ja nur Mädchen

Eine Klangausstellung
Sodomka/Breindl, 1998

44 Nahfeld-Lautsprecher an Stahlseilen, zwölf Klang- und Lichtinstallationen in verschiedenen Inszenierungen, Gebäudeprojektion, bedruckte Folien auf Glas, zwei Lichtobjekte, 25 historische Radioapparate, zwölf Schultische, 24 Sessel, 24 Kopfhörer.

111 Gespräche, 60 Stunden Interviewmaterial, inszeniert in einem 500 m² Klanggebäude mit Lichträumen. Geschichten, Anekdoten aus dem Alltag in der Schule, aus dem Frauen-Leben in Linz zwischen Nachkrieg, Wirtschaftswunder und 1968er-Generation.

Von 1945 bis 1968 beherbergte das Gebäude des OK, Centrum für Gegenwartskunst in Linz, Schule und Internat der Ursulinen, 24 Jahre lang den Mikrokosmos einer Klosterschule, der keine Männer zuließ, im Makrokosmos einer Geschichte, in der (zumindest offiziell) keine Frau etwas verloren hatte. Das Fenster, das es aufzustoßen galt, ging in eine Epoche, aus der die (männliche) Geschichtsschreibung Frauen verschwinden hat lassen. Um das Gebäude selbst zum Sprechen über diese Zeit zu bringen, wählten Andrea Sodomka und Martin Breindl die Stimmen der Frauen, die damals das Haus belebt haben. Ihre Erlebnisse und Gedanken sollten als sinnlich wahrnehmbare Ereignisse an den Ort zurückgebracht werden, an dem sie entstanden sind. Auf einen Aufruf in den Medien meldeten sich zahlreiche ehemalige Schülerinnen, mit denen ausführliche Gespräche geführt wurden: über die Schule, über das Leben in dieser Zeit, über das Frauenbild, über Wünsche und Träume; aber auch über Alltäglichkeiten wie Mode, Essen, Kino oder Musik.

Diese vielstimmige Klanginstallation, durch Licht, Projektionen und räumliche Installationen unterstützt, verwandelte das OK in eine riesige Gedächtnismaschine. (Martin Breindl)

OK Centrum für Gegenwartskunst OÖ, Linz, A, [Personale], 27.11.1998 – 31.1.1999

Andrea Sodomka und Martin Breindl, Installation
Sonja Meller und Isabelle Muhr, Interviews