#17/1 utopien
AS: Wie kommt man auf Ideen?
DI: Mhm.
AS: Oder besser gesagt: Utopien, wie entstehen die?
DI: Mhm.
AS: Oder besser gesagt: Utopien, wie entstehen die?
Das Denken in Utopien entspricht dem Denken in Potentialitäten. Wirklichkeit, so Hans Peter Dürr, sei als "eine nicht-auftrennbare, immaterielle, lebendig wirkende Potenzialität im ständigen Wandel" zu verstehen. In diesem andauernden Schöpfungsprozess wird ständig ganz Neues, Noch-nie-Dagewesenes geschaffen. Alles ist daran beteiligt. Das Zusammenspiel folgt bestimmten Regeln. Physikalisch wird es beschrieben durch eine Überlagerung komplexwertiger Wellen, die sich verstärken und schwächen können. Es ist ein Plussummenspiel, bei dem Kooperation zur Verstärkung führt. Der zeitliche Proess ist nicht einfach Entwicklung und Entfaltung beziehungsweise ein "Auswickeln" von bereits Bestehendem, von immerwährender Materie, die sich nur eine neue Form gibt. Es ist vielmehr echte Kreation: Verwandlung von Potentialität in Realität, materiell-energetische Manifestation des Möglichen.
Vapor Trails of Europe
Live Radio Performance für einen Nano-Satellitenalien productions, 2010
Obwohl Europa zunehmend zu einem Konglomerat ohne Grenzen verschmolzen ist, hat sich an den Migrationsströmen und den damit verbundenen Problemen und Fragen für menschliche Individuen erstaunlich wenig geändert. Ganz im Gegensatz dazu die explosionsartige Zunahme der weltweiten Datenmigration durch alle medialen Ebenen. Das „kulturelle Erbe“ Europas wird mehr und mehr zur Fiktion und verliert sich migrierend in Netzwerken, auf Leiterbahnen, auf Verkehrswegen, um anderswo aufzutauchen, verknüpft mit fremden Daten, anderen Traditionen, als neue Lebensform.
Vapor Trails of Europe befördert Kondensate europäischer Kultur als komprimierte Pakete buchstäblich in den Orbit.
alien productions beteiligen sich am Projekt „mur.sat“, bei dem KünstlerInnen einen kleinen Satelliten eigenverantwortlich finanzieren, bestücken und betreiben. Etwa sechs Wochen lang soll mursat1 in etwa 310 Kilometer Höhe um die Erde kreisen und dabei seine künstlerischen Aktivitäten entfalten, bevor er beim Eintritt in die Atmosphäre wieder verglüht.
alien productions sammelten Fragmente europäischer akustischer Kultur. Im Rahmen der Euroradio Ars Acustica Concert Series wurden im Studio 3 des Wiener Funkhauses die gesammelten Fragmente ausgelegt und in einer einstündigen Performance zu einem satellitentauglichen Klangkondensat einreduziert. Die Performance selbst wurde über den Satelliten der EBU ausgestrahlt, ihr Kondensat wird jedoch mit mursat1 auf die Reise geschickt. Auf seiner orbitalen Bahn wird es der Satellit über die Erde verstreuen.
ORF Kunstradio, EBU Ars Acustica, Low Earth Orbit, 2010/12
Liveperformance: ORF Funkhaus, Studio 3, 7.12.2010
http://alien.mur.at/vaportrails/
http://kunstradio.at/2010B/07_12_10.html